Egal ob Beruf oder Freizeit: Das Internet gehört zu unserem Alltag. Die virtuelle Welt kann jedoch zur Sucht werden. Eine aktuelle Studie zur Internetabhängigkeit in Deutschland.
Reizbarkeit, Langeweile, schlechte Laune oder sogar Angst ruft die Internetabhängigkeit bei Betroffenen hervor - die typischen Entzugserscheinungen einer Sucht machen auch nicht vor der virtuellen Welt halt. Um so oft wie möglich online zu sein, vernachlässigen Betroffene ihre sozialen Kontakte, meiden Arbeit oder Schule und verwahrlosen teilweise sogar körperlich.
In Deutschland gelten aktuell 560.000 Menschen als internetsüchtig und verbringen täglich mindestens vier Stunden zwanghaft im Netz, rund 2,5 Millionen werden als problematische Internetnutzer angesehen. Mit einem Bevölkerungsanteil von einem Prozent übertrifft die Abhängigkeit zwar noch nicht die Alkoholsucht (1,4 Prozent), liegt jedoch bereits weit über den Zahlen der Glücksspielabhängigen (0,3 Prozent). Das sind die Ergebnisse der vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Studie "Prävalenz der Internetabhängigkeit (PINTA I)" der Universitäten Lübeck und Greifswald - untersucht wurden 15.000 Internetnutzer im Alter von 14 bis 64 Jahren.
Die Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen ist besonders von der Online-Sucht betroffen - 2,4 Prozent gelten als abhängig, 13,6 Prozent zählen zu den problematischen Internetnutzern. Gerade Teenager im Alter von 14 bis 16 verbringen übermäßig viel Zeit im Netz - neben Online-Spielen, sozialen Netzwerken und E-Mails wird zusätzlich kräftig gesurft. In dieser Altersgruppe werden rund 15 Prozent als suchtgefährdet eingestuft.
Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, setzt auf Prävention und Beratung: "Wir brauchen zielgenaue Präventionsarbeit und gute und effektive Beratungs- und Behandlungsangebote besonders für die junge Altersgruppe. Die Computerspiel- und Internetsucht wird im nächsten Jahr ein Schwerpunkt meiner Arbeit sein: Ich werde mich der Frage widmen, wie die Behandlung von Computerspiel- und Internetsüchtigen weiter verbessert werden kann, indem z. B. standardisierte Diagnose- und Behandlungsleitlinien entwickelt werden."
Trotzdem ist eigentlich immer noch nicht geklärt, was einen Internetsüchtigen eigentlich ausmacht. Die erwähnten Symptome sind zwar Anzeichen für eine Sucht - umstritten ist jedoch noch, ob sie ausreichend sind, um Internetabhängigkeit als Krankheitsbild zu belegen. Deswegen wird in der Studie auch von "wahrscheinlich Abhängigen" gesprochen: "Die Datenlage ist schwach. Wir wissen sehr wenig über die Verbreitung des Problems", so Studien-Autor Hans-Jürgen Rumpf.
Quelle: drogenbeauftragte.de/presse/pressemitteilungen/2011-03/pm-pinta-studie.html
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