Selten war etwas subjektiver als das eigene Fahrkönnen. Nur wenige Menschen gestehen sich ein, dass sie zu den schlechteren Autofahrern gehören. Nicht nur das, sondern fast alle meinen, sie gehörten zu den besten. Rein logisch ist es unmöglich, dass alle gute Autofahrer sind. Aber das macht nichts, denn sich über die anderen aufzuregen ist eine der höchsten Künste des Autofahrens, die oft schon in der Fahrschule gelehrt wird. Aber: Immer sind es die anderen, die den Verkehr zur Qual machen. Hier acht nervige Charaktere, die ihren Teil dazu beitragen:
Ampeltrödler
Mitten im Berufsverkehr. Die Grünphase der Linkabbiegerampel ist extrem kurz, maximal fünf Autos schaffen es rüber. Der entstehende Rückstau behindert auch die beiden Spuren zum Geradeausfahren. Endlich springt die Ampel wieder auf Grün. Jetzt sollte es schnell gehen. Der Erste in der Abbiegespur lässt sich von der spürbaren Hektik nicht anstecken, im Gegenteil. Er legt gemütlich den ersten Gang ein, fährt an, gerät in Stocken, fährt weiter. Den anderen Autofahrern in der Abbiegespur sind mehr als ungeduldig. Gefühlte Minuten später ist der Trödler endlich mitten auf der Kreuzung. Was er nicht sieht, die Ampel hinter ihm steht schon wieder auf Rot. Und nach ihm hat es nur ein weiteres Auto durch die Grünphase geschafft. Tolle Leistung!
Nicht-Blinker
Eine Anekdote aus dem Leben des Autors. Er (damals circa 20 Jahre) sitzt auf dem Beifahrersitz einer A-Klasse. Am Steuer ein Mittvierziger, der zum wiederholten Male ohne Signal abbiegt. Im Stadtverkehr einer rheinischen Metropole. Was soll das? Also die Frage: "Warum blinkst du nicht?" Die Antwort kommt schnell, simpel und unerwartet. "Warum, ich weiß doch wo ich hin will!" Stille. Keine Fragen mehr…
Drängler
Der Drängler ist vor allem auf Autobahnen heimisch. Erst inspiziert er die Hutablage aus nächster Nähe, dann nutzt er alle erdenklichen Mittel als Aufforderung zum Spurwechsel seines Vordermannes. Lichthupe, Geräuschhupe, Handzeichen aus dem Cockpit. Sogar der rot anlaufende Kopf, sofern der vor ihm Fahrende immer noch nicht Platz gemacht hat, kann als Drohgebärde interpretiert werden.
Fahrende DJs
In der Straßenbahn sind Walkman-Handys zu Terrorinstrumenten der Jugend mutiert, die den Wagen mit Gangsta-Rap und anderen musikalischen Belastungen für alle Fahrgäste, ungefragt versteht sich, beschallen. Schön also, dass im eigenen Auto jeder selbst Hand an die Audio-Anlage legen kann. Im Auto Musik hören ist glücklicherweise noch nicht verboten. Solange die Scheiben zu und die Lautstärke gering bleibt. Denn wenig ist nerviger als ein Jungführerscheinbesitzer mit offenem Fenster, den Ellbogen draussen, mit bass-lastiger Mucke bei Dezibelzahlen eines Festivals. Nicht cool!
Nebelleuchter
Der Begriff gibt Aufschluss über die eigentliche Nutzung der Leuchte am Heck. Bei Nebel, sprich extrem schlechter Sicht, soll sie eingeschaltet werden. Nicht bei Regen, nicht bei Dunkelheit, nicht ohne triftigen Grund. Capiche?
Einparkrangierer
Eines der wichtigsten Lernabschnitte in der Fahrschule ist rückwärts Einparken! So wichtig, dass es Teil einer jeden Fahrprüfung ist. Anscheinend haben die Schüler aber nur für das Kurzzeitgedächtnis gelernt. Wie sonst erklärt es sich, dass trotz der technischen Hilfe von Parksensoren und Bildschirmunterstützung nur wenige Autofahrer ihr Handwerk noch zu beherrschen scheinen. Was soll´s, dürfte man meinen. Wenn sich nicht in einer engen Straße nach einer Handvoll versuchter Einparkvorgänge hinter dem Parknovizen bereits ein ordentlicher Stau Wartender gebildet hätte.
Sonntagsfahrer
Gemütlich raus ins Grüne. Bis zum Anfang der Achtziger ging das noch, schließlich war auf den Straßen noch kaum etwas los. Doch heute herrscht auch am Wochenende reger Betrieb. Wenn nun also – ja, es sind wirklich meist ältere Semester – die gemütlich mit geringerer als der erlaubten Geschwindigkeit durch den Ort schleichen, dann fühlt sich der Rest behindert. Selbst auf dem Fahrrad stören sie, weil sie Schlangenlinien fahren, so langsam wie sie sind. Überholen unmöglich. Trift das auf alle zu. Sicher nicht. Für den ein oder anderen wäre es ohne Zweifel an der Zeit, seine Verkehrstauglichkeit in Frage zu stellen.
Parkganoven
Wie überall markieren die weißen Striche auf dem Boden die äußeren Ecken der Parklücke. Der SUV-Fahrer aber, aus der erhöhten Sitzposition seines Stadtschiffes, fegt über die Markierungen hinweg, stellt den Motor ab und verlässt den Tatort. In der Innenstadt, wo Parklücken ohnehin rar sind, hätten eigentlich zwei Autos nebeneinander Platz finden sollen. Wieder wurde ein Parkplatz geraubt!
Die Info-Webseite zum Thema Fahrerlaubnis: Führerschein.info











