Die hochsommerlichen Temperaturen bringen nicht nur die Menschen ins Schwitzen, sondern auch die Hormone der Rehe in Wallung. "An schwülen Tagen, vor allem wenn ein Gewitter in der Luft liegt, lockt die Ricke den Rehbock jetzt mit Fieptönen und einem Duftsekret, um dem Bock ihren Paarungswillen zu signalisieren", erklärt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Der Rehbock ist betört und fremdgesteuert vom aufreizenden Duft und dem Liebesgeflüster der Ricke. Er nimmt schnell die Verfolgung auf und jagt dem weiblichen Tier hinterher. "Dabei können verliebte Rehe Autofahrern gefährlich werden", warnt Münchhausen. Während der Rehbrunft, der so genannten Blattzeit Ende Juli, Anfang August, kommt es gerade jetzt häufiger zu Wildunfällen. Autofahrer, die ein Reh sehen, müssen auf alles gefasst sein und immer mit nachfolgenden Tieren rechnen. Darum ist langsames und vorsichtiges Fahren oberstes Gebot.
Allgemein nehmen Wildunfälle auf Deutschlands Straßen zu. 2009 gab es in Deutschland laut Statistik rund eine Viertel Millionen Zusammenstöße mit Wildtieren. Wildunfälle gehen nicht immer glimpflich aus. Ungefähr 3000 Menschen wurden im letzten Jahr verletzt und 27 sogar getötet.
Von daher sollte man das Warnschild "Achtung Wildwechsel" unbedingt ernstnehmen! "Sofort die Geschwindigkeit reduzieren, bremsbereit fahren und die Straßenränder im Auge behalten", rät Hilmar Freiherr von Münchhausen. Übergangsbereiche zwischen Wald und Feld sind besonders gefährlich. Bei einem Wildunfall muss zunächst die Unfallstelle gesichert und dann die Polizei gerufen werden. "Die Beamten schalten den zuständigen Jäger oder Förster ein." Falls das verletzte Tier geflohen ist, sollte sich der Autofahrer möglichst den Fluchtweg merken und ihn kennzeichnen.
"Der Jäger kann der Fährte des Wildes mit einem dafür ausgebildeten Hund folgen und das Tier von seinem Leid erlösen." Tote Wildtiere darf man nicht mitnehmen. Das ist verboten. Man kann sich durch näheren Kontakt zu dem Tier auch mit Wildkrankheiten identifizieren. "Bei Wildunfällen sollte sich der Mensch unbedingt vom verletzten Tier fernhalten", rät Münchhausen. "Denn der Anblick des Menschen versetzt Wildtiere in Panik. Außerdem besteht Verletzungsgefahr."
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